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News-Personas und die Zukunft redaktioneller KI-Empfehlungen

Laut der Studie „Journalismus, Medien, Technologien und Prognosen 2023 des Reuters Instituts für Journalismus“, setzen 70% der Nachrichten-Verlage KI-Empfehlungssysteme ein. Was Personas damit zu tun haben? Hier stehts.

 

Ein kürzlich erschienener Forschungsbericht der belgischen Universität Katholieke Universiteit Leuven, konzentrierte sich auf die Gestaltung von Leser-Personas mit dem Ziel, Transparenz, Vielfalt und Handlungsfähigkeit bei Nachrichtenkonsumenten zu verbessern.

Es wurden drei Personas entwickelt, die jeder Lesende für sich auswählen konnte – also der Leser selbst entscheidet, welcher Persona er gerade am ehesten entspricht. Und diese Wahl hat der Lesende immer. Dadurch wurde vermieden, dass sich die Leser nur mit einer Persona identifizieren müssen. Sie erhielten mehr Entscheidungsfreiheit bei den Empfehlungen, die sie bekommen. Die Leser konnten zwischen folgenden drei Personas wählen:

  1. Der Herausforderer: Infragestellung bereits bestehender Überzeugungen durch alternative Standpunkte.
  2. Der Experte: Vertiefung der Details, um den Wissenszuwachs zu maximieren.
  3. Der Abwickler: Leichtere Artikel zu Themen von bestehendem Interesse.

Das Team gab jeder Persona eine visuelle Identität, um die Transparenz der Algorithmen zu erhöhen und sie zugänglich zu machen. Je nach Lesestimmung und Bedarf konnte zu verschiedenen Tageszeiten eine andere Persona gewählt werden.

Wie können Verlage Leser-Personas nutzen?

Die Untersuchung der KU Leuven bietet einige interessante Diskussionspunkte für Produkt- und Datenteam in Redaktionen oder Verlagen.

Auf dem Blog „Twipe“ listet Mathew Lynes folgende Punkte auf:

  • Wie können Verlage den Lesern die Wahl zwischen Personalisierung und redaktionell kuratierten Leseerlebnissen lassen?
  • Können Verlage, deren Vertrauen in Nachrichten auf einem historischen Tiefstand ist, klar identifizierte Leser-Personas nutzen, um die Transparenz zu erhöhen und „angespannte“ Beziehungen wiederherzustellen?
  • Können Verlage mit mehreren Titeln Personas nutzen, um die Leser von den Inhalten ihres gewählten Titels auf verwandte Publikationen zu verweisen und so die Leser zu ermutigen, ihre Abonnements zu erweitern?

Abgesehen von den kommerziellen Erwägungen zur Verbesserung der Leserbindung sind die Forscher der KU Leuven der Ansicht, dass die Einführung transparenter Leser-Persona-Optionen den potenziellen Schaden von algorithmischen Empfehlungssystemen verringern wird. Sie kamen zu diesem Schluss: In einer zunehmend automatisierten Zukunft ist es von entscheidender Bedeutung, die Nutzer bei der Gestaltung von Empfehlungssystemen einzubeziehen. Es bleibt zu hoffen, dass Medienorganisationen die Herausforderung annehmen, menschenzentrierte und verantwortungsvolle algorithmische Systeme zu entwickeln, die dem öffentlichen Wohl dienen.

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