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BLOG |Personas mit Chat-GPT 4.0

Personas erstellen mit ChatGPT

Wenn man heutzutage in die Sozialen Medien, aber auch in die Nachrichten, Zeitschriften und Blogs schaut, könnte man den Eindruck gewinnen, generative KI kann alles – sogar Personas erstellen. Wir erklären Chancen und Risiken.

ChatGPT: erstelle eine Persona

Die einfachste Methode ist, die Eingabemaske von ChatGPT schlicht und ergreifend darum zu bitten. Wichtig ist dabei, dass die Anfrage klar formuliert ist und keine komplexen oder mehrdeutigen Sätze enthält. Wenngleich Präzision wichtig ist und konkrete Information dem Chatbot hilft, auf ihre speziellen Bedürfnisse einzugehen, sollten Sie zunächst recht allgemein beginnen und danach spezifischer werden.

Wir haben das für Sie ausprobiert, Sie können es gerne nachmachen, hier unser kleiner „Feldversuch“:

„Erstelle eine Buyer-Persona für das Schuhhandelsunternehmen Deichmann mit Filialen in ganz Deutschland.“

CHATGPT:

Name: Julia Schuhliebhaberin
Alter: 28
Beruf: Marketing-Assistentin
Wohnort: München

Herausforderungen und Bedürfnisse:

  • Julia legt Wert auf aktuelle Modetrends und sucht ständig nach neuen Schuhkollektionen.
  • Bequemlichkeit ist ihr wichtig, da sie den ganzen Tag auf den Beinen ist. Sie bevorzugt Schuhe, die gleichzeitig modisch und komfortabel sind.
  • Das Budget ist für Julia relevant. Sie sucht nach qualitativ hochwertigen Schuhen zu erschwinglichen Preisen.
  • Online-Präsenz und Filialen in der Nähe sind wichtig, da Julia ihre Schuhe gerne vor dem Kauf ausprobiert, aber auch die Möglichkeit von Online-Bestellungen schätzt.
  • Julia interessiert sich für Nachhaltigkeit und würde Produkte bevorzugen, die umweltfreundlich hergestellt sind.

Einkaufsverhalten:

  • Julia stöbert gerne online durch die Deichmann-Website, um die neuesten Schuhkollektionen zu erkunden.
  • Sie zieht es vor, Schuhe in der Filiale anzuprobieren, bevor sie eine endgültige Entscheidung trifft, nutzt aber auch die Möglichkeit, online zu bestellen, wenn sie ihre bevorzugte Größe nicht vor Ort findet.
  • Die Flexibilität von Click & Collect oder schnellen Online-Lieferungen ist für Julia wichtig.

Zufriedenheit und Unzufriedenheit:

  • Positiv beeindruckt von der breiten Auswahl an Schuhen und regelmäßigen Updates zu neuen Trends.
  • Zufrieden mit der Kundenbetreuung und dem problemlosen Umtausch von Schuhen.
  • Unzufrieden, wenn Filialen bestimmte Modelle nicht auf Lager haben und wenn Online-Bestellungen verzögert sind.

Werte und Interessen:

  • Modebewusstsein: Julia schätzt aktuelle Modetrends und bevorzugt Schuhe, die ihrem Stil entsprechen.
  • Bequemlichkeit: Komfortable Schuhe sind ein Muss, da sie viel unterwegs ist.
  • Nachhaltigkeit: Umweltfreundliche Produkte würden ihre Kaufentscheidung beeinflussen.

Schonmal nicht schlecht. Dann erwähnt ChatGPT noch, dass Julia auf hypothetischen Annahmen und allgemeinen Trends im Schuhhandel beruht – immerhin ehrlich. Dass sie nicht datenbasiert ist, merkt man schon daran, dass Julia keinen echten Nachnamen hat – immerhin ist der Vorname unter den Top 5 der Geburtsjahrgänge 1995 und 1996. Durch weitergehende Fragen und kleine Diskussionen mit ChatGPT kann man Julia auch abseits des Schuhkaufs besser kennenlernen, immer basierend auf allgemeinen Annahmen und Trends. Danach gefragt, wie das Unternehmen Deichmann die Kundin Julia am besten ansprechen sollte, liefert uns ChatGPT diese Antwort:

  1. Modische Vielfalt hervorheben: Da Julia modebewusst ist, könnte Deichmann ihre Aufmerksamkeit auf die aktuellen Schuhtrends lenken. Die Betonung von vielfältigen Stilen und Optionen könnte sie ansprechen.
  2. Erschwinglichkeit betonen: Da Julia preisbewusst ist, ist es wichtig, auf die erschwinglichen Preise von Deichmann hinzuweisen. Aktionen, Rabatte oder spezielle Angebote könnten ihre Neugier wecken.
  3. Online- und Offline-Shoppingoptionen: Deichmann könnte Julia die Möglichkeit bieten, Schuhe sowohl online als auch in den Filialen anzuprobieren. Die Betonung der Flexibilität, beides zu kombinieren, könnte ihre Präferenzen berücksichtigen.
  4. Nachhaltigkeitsinitiativen kommunizieren: Wenn Deichmann nachhaltige Produktlinien anbietet, könnte dies für Julia interessant sein. Umweltfreundliche Praktiken könnten in der Kommunikation hervorgehoben werden.
  5. Mobile Nutzung und soziale Medien einbeziehen: Da Julia technisch versiert ist, könnte Deichmann auf mobile Apps, Social-Media-Kanäle und benutzerfreundliche Online-Plattformen hinweisen, um ihre Einkaufserfahrung zu optimieren.
  6. Kundenbewertungen und Empfehlungen: Julia könnte auf Kundenbewertungen und Empfehlungen ansprechen. Dies könnte ihre Entscheidung beeinflussen, wenn sie positive Erfahrungen anderer Kunden sieht.
  7. Personalisierte Angebote: Deichmann könnte personalisierte Angebote basierend auf Julias Einkaufsverhalten oder Interessen anbieten, um sie stärker einzubinden.

Klingt wiederum gut, aber auch sehr nach „gesundem Menschenverstand“. ChatGPT empfiehlt uns: „Eine genauere Strategie könnte durch eine tiefere Analyse von Kundenverhalten und -präferenzen entwickelt werden.“

Man könnte das Gespräch nun fortsetzen und ChatGPT bitten, die Rolle von „Julia“ einzunehmen und dieser dann Fragen zu ihrem Verhalten, ihrer Lebenswelt und ihren Bedürfnissen. Das kostet allerdings Zeit und der Ausgang ist ungewiss, da nicht datenbasiert.

Fazit: Eine gute Grundlage für eine Proto-Persona, die Sie dann datenbasiert verifizieren oder falsifizieren. Nicht mehr, aber auch nicht weniger – denn es ist ungewiss, wie viel die mit ChatGPT erstellte Persona etwas mit der Wirklichkeit, also der realen Zielgruppe, zu tun hat.

Chat-GPT-Persona basierend auf Feedback

Eine weitere Methode, mit der man ChatGPT eine Persona entlocken kann, ist, es mit Kundenfeedback zu einem bestimmten Produkt, einer Dienstleistung oder einem Unternehmen zu füttern und dann um eine Persona basierend auf den offensichtlichen Vorlieben und Bedürfnissen der Kunden zu erstellen. So stellen sie sicher, dass die Persona auf tatsächlichen Kundendaten basiert und nur Ihre Käufer repräsentiert: Sie lassen ChatGPT weniger Raum für Fehler, Verallgemeinerungen und Annahmen. Wir haben auch das ausprobiert. Unser Beispiel basiert auf 35 Kundenrezensionen für die Baumarktkette Obi. Für eine genaue Persona braucht man tausende und daher mehr Zeit, als wir für einen Blogbeitrag haben 😉. Für Unternehmen, die ihr Kundenfeedback in einer Datenbank zur Hand haben, sollte das allerdings kein Problem sein. Basierend auf 35 Kundenrezensionen, kreiert uns ChatGPT also folgende OBI-Kundin auf Grund dieser Eingabe:

Ich werde gleich 35 Kundenrezensionen eingeben. Erstelle daraus eine Buyer Persona für die Baumarktkette Obi. Bitte schreibe nichts, bevor ich nicht das Wort „FERTIG“ ans Ende einer Rezension gesetzt habe.

Ergebnis:

Name: Lisa Heimwerkerin
Alter: 35
Beruf:
Büroangestellte
Wohnort: Neunkirchen

Herausforderungen und Bedürfnisse:

  • Erfahrungen mit dem Terrassendach zeigen, dass Lisa Wert auf eine detaillierte Aufbauanleitung mit Bildern legt und Probleme bei der Montage unzufrieden macht.
  • Aufgrund von Schneelast und instabiler Konstruktion bevorzugt Lisa möglicherweise stabilere Optionen für ihre Überdachung.
  • Das schnelle und unkomplizierte Online-Bestellsystem von Obi ist für Lisa wichtig, da sie den Artikel reservieren und leicht zwischen den Baumärkten wechseln kann.
  • Negative Erfahrungen mit der Lieferung von Laminat haben dazu geführt, dass Lisa zukünftig möglicherweise zögert, sperrige Artikel online zu bestellen.
  • Lisa schätzt gute Kommunikation und schnelle Lieferung, hat jedoch Bedenken bezüglich der Verwendung von zu viel Verpackungsmaterial.

Einkaufsverhalten:

  • Lisa tendiert dazu, häufig online einzukaufen, insbesondere für größere und schwerere Artikel.
  • Sie bevorzugt eine einfache Online-Bestellung und Lieferung direkt nach Hause.
  • Lokale Verfügbarkeit und Preistransparenz zwischen Online-Shop und Filialen beeinflussen ihre Kaufentscheidungen.

Zufriedenheit und Unzufriedenheit:

  • Positiv beeindruckt von der Möglichkeit, Artikel online zu suchen und lokal zu reservieren.
  • Zufrieden mit dem Service des Kundendienstes und der unkomplizierten Rücksendung von Artikeln.
  • Unzufrieden mit längeren Lieferzeiten für Lagerartikel und unterschiedlichen Lieferanten.
  • Kritisch gegenüber ungenauer Produktbeschreibung (z.B., dünnere Regenjacke) und Etiketten auf Produkten.

Werte und Interessen:

  • Umweltbewusstsein: Lisa bevorzugt umweltfreundliche Verpackungsoptionen und würde weniger Verpackungsmaterial schätzen.
  • Zeitersparnis: Schnelle und effiziente Abwicklung von Bestellungen ist für Lisa wichtig.
  • Preis-Leistungs-Verhältnis: Sie erwartet angemessene Qualität für den gezahlten Preis.

Fazit: Das Ergebnis ist nicht schlecht, wenn sich der Bot auch teilweise an Details wie einer Regenjacke oder einem Terrassendach „aufhängt“, wenn diese Teil eines Kundenkommentars waren.  Man kann davon ausgehen, dass er bei tausend oder mehr Eingaben eher verallgemeinert und daher Einzelkommentare im Gesamtbild verschwinden.
Auch Lisa hat keinen datenbasierten Nachnamen, aber der Vorname korrespondiert mit den am meist vergebenen ihres Geburtsjahrgangs. Auf die Frage, warum Lisa eine Frau ist, weiß ChatGPT keine wirkliche Antwort – Zufallsentscheidung.
Also: Durchaus hilfreich, aber nur, wenn ausreichend Rezensionen vorhanden sind – also mindestens 1.000.

Weitere Optionen für Personas mit ChatGPT

„Einfach mal fragen“ und Personas aus Kundenbewertungen sind die beiden einfachsten Methoden, um mit ChatGPT-Personas zu erstellen, da sie keine Ad-Ons  benötigen.

„Keywords Everywhere“ ist ein Browser-Add-on für Firefox und Chrome. Mit diesem Keyword-Recherche-Tool können Sie auch per Chat GPT Personas in mehr als dreißig verschiedenen Sprachen und Schreibstilen erstellen. Sie haben dabei außerdem die Möglichkeit, Ihre Personas per einfachem Klick auf ein Menü zu erweitern, umzuschreiben und zu veranschaulichen. Das Tool liefert ähnliche Ergebnisse wie die einfache Anfrage, aber übersichtlicher aufbereitet und mit einer Zusammenfassung am Ende der Übersicht. Außerdem hat die Persona einen „richtigen“ Namen.

Eine weitere ChatGPT-Persona-Vorlage ist die „Buyer Persona Legend“. Sie finden sie als installierbare Erweiterung bei AIPRM, einer Online-Community von Prompt-Ingenieuren, die einfach zu verwendende Prompts für „Marketing, Vertrieb, Betrieb, Produktivität und Kundensupport“ erstellen. Auch hier müssen Sie Schlüsselwörter eingeben, die beschreiben, was Ihr Unternehmen verkauft, und wo. Das Ergebnis ist eine recht detaillierte Persona mit glaubhaftem Namen, übersichtlich aufbereitet und mit Zusammenfassung.
Besonders gute Ergebnisse erhalten Sie, wenn Sie die beiden Tools kombinieren.

Datenbasiert ist ein „Muss“

ChatGPT erfreut uns also nach mehr oder weniger kurzem Aufwand mit mehr oder weniger glaubhaften Personas, mit denen man sogar chatten kann. Nice. Datenbasiert ist das allerdings nicht. Um die Feedback-Methode auf genügend echten Daten aufzubauen, brauchen Sie entweder sehr viel Zeit oder eine gute Datenbank mit genügend Kundenfeedback zur Hand.

Die Personas von ChatGPT reichen nicht aus, um eine vollwertige Marketingstrategie zu entwickeln, da Sie dafür Personas benötigen, die auf echten Kundendaten basieren und damit über Proto-Personas, wie ChatGPT sie erstellen kann hinausgehen. Der Prozess der Persona-Erstellung umfasst immer die Schritte 1) „Daten sammeln“, 2) „Persona erstellen“ und 3) „Persona testen“.
Beim Persona Institut haben wir Zugriff auf über 1,5 Mio repräsentative Datensätze pro Quartal aus mehr als 12 Ländern und zu mehr als 1.000 Märkten. Unser Persona Profiler greift darauf zu und erstellt datenbasierte, belastbare Buyer- oder Candidate-Personas mit dazu passenden Handlungsempfehlungen – in sehr kurzer Zeit und zu überschaubaren Kosten. Die Personas werden darüber hinaus vierteljährlich automatisch aktualisiert, damit ihre Marketingstrategie immer auf dem neuesten Stand ist.
Nichtsdestotrotz verbinden wir beim Persona Institut das Beste aus zwei Welten: unser Persona Profiler liefert die Daten und erstellt die Personas. ChatGPT nutzen wir trotzdem: Als KI, die unsere Personas in Chatbots verwandelt.

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