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Synthetische Interviews – wie KI Marketing und Recruiting verändert

KI-generierte Personas übernehmen immer häufiger die Rolle echter Gesprächspartner in Interviews. Was das bringt – und wo die Grenzen liegen? Ein Überblick über Chancen, Risiken und sinnvolle Einsatzfelder synthetischer Interviews.

 

Wenn KI zum Gesprächspartner wird

Interviews mit synthetischen Nutzer:innen oder Kandidat:innen sorgen derzeit für Diskussionen. Forschung lebt schließlich von echten Begegnungen: von Menschen, ihren Emotionen, Eigenheiten und Überraschungen. Nur wer sie beobachtet und befragt, versteht, was sie antreibt – und was sie bremst und vielleicht sogar von einem Kauf oder einer Bewerbung abhält.

Doch klassische Interviews sind aufwändig und teuer. Kein Wunder also, dass generative KI-Tools mit großem Versprechen locken: schnell, günstig, scheinbar grenzenlos. Eine Versuchung für Marketing und Recruiting.

Was wäre, wenn man reale Befragte einfach durch KI-Personas ersetzt? Wenn diese sogar auf künstlich erzeugten Daten beruhen? Klingt bequem – ist es auch. Nur: Das Ergebnis bleibt flach.

Synthetische Daten – leicht gemacht, schwer zu bewerten

Personas müssen auf Daten beruhen. Diese können real oder synthetisch sein. Letztere entstehen nicht aus echten Quellen, sondern aus Mustern, die KI aus in der realen Welt bestehenden Informationen ableitet.

Der Vorteil liegt auf der Hand: synthetische Daten sind schnell, günstig und datenschutzfreundlich. Sie lassen sich gezielt auf Nischen anwenden oder Verzerrungen in echten Datensätzen ausgleichen.

Generative KI und synthetische Daten dienen heute auch dazu, künstliche Personas zu entwickeln. Der Prozess ist einfach: Zunächst beschreibt man die Zielkund:innen, definiert ihre Ziele, Bedürfnisse und Herausforderungen. Anschließend ergänzt man das passende Produkt oder die offene Stelle, die diese Probleme lösen soll. So entstehen in kürzester Zeit unzählige Personas, die Zielgruppen abbilden, ihr Verhalten imitieren und auf Umfragen oder Interviews reagieren – scheinbar ideal, um Design- und Marketingprozesse zu beschleunigen.

Doch die Methode hat Grenzen. Im Blogartikel „Personas erstellen mit KI – der Check“ gehen wir darauf ausführlich ein. Die wichtigsten Schwächen von Personas aus synthetischen Daten im Überblick:

  • Sie spiegeln Klischees und Vorurteile wider, die im Internet verbreitet sind.
  • Gruppen, die in der realen Welt groß, aber online kaum vertreten sind – etwa Rikschafahrer, Landarbeiter oder Hausfrauen –, werden verzerrt und stereotyp dargestellt.
  • Für echte Neuheiten – also Produkte, Konzepte oder Zielgruppen, die es bislang nicht gibt – versagt das Modell, weil keine Muster existieren, auf denen die KI aufbauen könnte.

Synthetische Interviews – effizient, aber seelenlos

Echte Interviews erfordern Zeit, Planung und Fingerspitzengefühl. Bei synthetischen Interviews übernimmt die KI den Gegenpart – per Textdialog oder Umfrage. Das kann nützlich sein, etwa

  • beim Testen ungewöhnlicher Ideen, und hypothetischer zukünftiger Situationen
  • bei sensiblen Themen, zu denen sich kaum reale Teilnehmende finden,
  • oder wenn schwer erreichbare Zielgruppen befragt werden sollen.

Synthetische Gesprächspartner werden nicht nervös, sie widersprechen nicht, sie antworten immer. Doch sie bleiben oberflächlich – Durchschnitt im besten Sinne.

Bereits 1998 beschrieben Forschende der Carnegie Mellon University solche „Synthetic Interviews“: virtuelle Figuren, die auf Nutzerfragen antworteten.

In diesen frühen Experimenten sollten Nutzer:innen in einem intensiven Dialog Antworten auf ihre Fragen erhalten – von virtuellen Gesprächspartnern, die menschliches Verhalten möglichst realistisch nachahmen.

Dafür nahmen die Forschenden Tausende Videoclips mit Schauspieler:innen auf: sowohl für potenzielle Antworten als auch für nonverbale Signale wie Gestik und Mimik. Die computergenerierten Personas erschienen anschließend im sogenannten „Talking-Head“-Format und zeigten typische Eigenheiten, um glaubwürdig zu wirken.

Nutzer:innen konnten ihre Fragen per Mikrofon oder Tastatur stellen. Eine Spracherkennung wertete sie aus und lieferte die passenden Antworten. Die Technologie sollte sogar interaktive Erlebnisse mit Prominenten, Wissenschaftler:innen oder religiösen Führungsfiguren ermöglichen – und legte damit den Grundstein für realistische virtuelle Charaktere. 

KI-Interviews selbst erstellen

Mit heutiger KI lassen sich synthetische Interviews deutlich einfacher führen. Wer es trotz der bekannten Nachteile ausprobieren möchte, braucht nur wenig: Zugang zu einem der gängigen LLMs – etwa ChatGPT, Gemini oder LLaMA – sowie ein Word- oder PDF-Dokument mit den Profilen der Zielpersonen.

Darin sollten zentrale Merkmale stehen: Alter, Geschlecht, Standort, beruflicher Hintergrund, Kaufverhalten, Pain Points, Motivationen, Trigger und Mediennutzung. Ebenso wichtig: eine klare Zielsetzung. Was soll das Interview oder die Gesprächsrunde erreichen?

Legen Sie außerdem fest, wie viele synthetische Personas Sie erstellen möchten und in welchem Format die Antworten vorliegen sollen – als Fließtext, Interviewauszüge oder Umfrageergebnisse.

Dann kann es losgehen: Laden Sie Ihr Dokument mit den Zielgruppeninformationen hoch, ergänzen Sie die Produktbeschreibung oder die zu besetzende Stelle und definieren Sie die gewünschte Zahl der Personas. Stellen Sie diesen dann Ihre Fragen – und lassen Sie sich am Ende einen Bericht erstellen, der zentrale Probleme, Bedenken, positive Aspekte und prägnante Zitate zusammenfasst.

Das Ergebnis liegt in wenigen Minuten vor und kann durchaus aufschlussreich sein. Nur: Es bleibt oft oberflächlich. Viele synthetische Interviewpartner liefern nahezu identische Antworten – sachlich, emotionslos, vorhersehbar. Für tiefergehende Erkenntnisse reicht das nicht.
Aber: Solche Tests helfen, bessere Fragen für echte Nutzerinterviews zu entwickeln.

Das Beste aus beiden Welten

Datenbasierte Personas – wie die des Persona Instituts – entstehen ebenfalls mithilfe von KI, jedoch nicht per Prompt und nicht auf Basis synthetischer Daten. Die KI analysiert für uns riesige Datensätze, die manuell kaum zu bewältigen wären. Sie erkennt in diesen Mengen Muster, die Menschen übersehen würden, und leitet daraus konkrete Handlungsempfehlungen ab.

So entstehen aus validen Datenmengen präzise Personas – entwickelt mit KI, aber unter menschlicher Aufsicht und Kontrolle. Das Ergebnis sind realitätsnahe Profile, die Zielgruppen greifbar machen.

Und das Beste: KI hilft uns, diese Personas erlebbar zu machen – als lebendige Chatbots, mit denen Sie direkt sprechen können. Sie führen Interviews, nehmen an Fokusgruppen teil oder beraten Sie in Designfragen. Wer lieber redet als tippt, kann mit ihnen auch sprechen.

Kurz gesagt: Personas aus echten Daten, erstellt mit KI – für realistische, synthetische Interviews.

Unsere Personas basieren auf repräsentativen Daten aus über 12 Ländern und 1.000 Märkten. Grundlage sind mehr als eine Million wissenschaftlich erhobene Umfragen und ebenso viele Statistiken.

Diese Profile liefern weit mehr als reine Demografie. Sie zeigen, wer Ihre Zielgruppe wirklich ist – mit allen Facetten: Wohnsituation, Einkommen, Mediennutzung, Innovationsfreude und Einstellungen zu Themen wie Gesundheit, Finanzen, Reisen, Ernährung oder sozialem Verhalten. Sie erfahren auch, wie Ihre Persona ihre wirtschaftliche Lage einschätzt, was und wo sie einkauft, was sie antreibt und was sie hemmt.

Jede Persona wirkt authentisch – fast wie eine gute Freundin, die man wirklich kennt. Und warum diese Freundin nicht gleich zur Kollegin machen?

Dank unseres KI-gestützten Persona-Bots können Sie mit Ihrer Persona chatten, sprechen und sie in Ihre Arbeit einbeziehen:

  • Für Recruiter:innen: Führen Sie mit Ihrer Candidate-Persona ein Gespräch über den idealen Bewerbungsprozess, No-Gos und Lieblings-Stellenanzeigen.
  • Für Produktentwickler:innen: Fragen Sie Ihre Buyer Persona, was sie vom Produkt erwartet, wie sie es nutzt und welches Design sie überzeugt. Wenn Sie mehrere Buyer Personas für eine Marke haben, können Sie sogar synthetische Fokusgruppeninterviews mit ihnen führen – denn sie sind ja datenbasiert auf echten Daten und „fischen daher nicht im Trüben“.
  • Für den B2B-Vertrieb: Befragen Sie Ihr gesamtes Buyer Center und entwickeln Sie auf dieser Basis Ihre Vertriebsstrategie.

Diese Gespräche sind zwar synthetisch – aber erstaunlich echt. Dank Millionen realer Datenpunkte wirken die Antworten glaubwürdig, emotional und relevant.

So verbinden Sie das Beste aus zwei Welten: die Präzision menschlicher Forschung mit der Geschwindigkeit und Skalierbarkeit der KI.

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