BLOG | Personas und Emotionen

Emotionen im Marketing und Vertrieb

Wie Marken entlang der gesamten Customer Journey emotional wirken – und warum datenbasierte Personas der Schlüssel sind.

 

Von Natur aus treffen wir Kaufentscheidungen nicht rational – sondern emotional. Die Verhaltenspsychologie zeigt, dass Menschen rund 95 % aller Entscheidungen unbewusst treffen. Die restlichen 5 % an rationalem Denken dienen in der Regel dazu, die emotional basierte Entscheidung mit Argumenten zu rechtfertigen. Unternehmen, die diese Erkenntnisse entlang der Customer Journey nutzen, profitieren mehrfach: Von kurzfristiger Aufmerksamkeit bis hin zur langfristigen Kundenbindung.

Emotionen als starker Hebel in Vertrieb und Marketing

Emotionen steuern Wahrnehmung, Erinnerung und Verhalten. Während das limbische System unseres Gehirns, Entscheidungen durch emotionale Reize beeinflusst, rationalisiert der Neokortex diese im Nachhinein. Für einen Kauf bedeutet das etwa, dass wir uns intuitiv für eine Gesichtscreme entscheiden, da wir das Design der Verpackung mit Luxus und Wohlbefinden assoziieren – eine Emotion, die gerade unseren Bedürfnissen entspricht.
Erst dann schaltet sich der Neokortex ein und bringt uns dazu, Preis, Inhaltsstoffe und eventuell Kundenbewertungen zu prüfen.

Das bedeutet: Erst wenn sich limbisches System und Neokortex einig sind, können wir uns wirklich für ein Produkt, eine Marke oder eine Dienstleistung entscheiden. Fakt ist aber: Bevor sich der rationale Teil unseres Gehirns aktiviert, brauchen wir den emotionalen Trigger, um die Aufmerksamkeit auf ein Produkt zu lenken. Dabei handelt es sich um psychologische Schlüsselreize, die ein bestimmtes Motiv aktivieren, zum Beispiel:

  • Status → Premium-Branding, Exklusivität, Performance
  • Sicherheit → Zuverlässigkeit, Garantien, Transparenz
  • Gemeinschaft → soziale Werte, Teamgedanke, Nähe

Eine Botschaft — egal ob Werbeanzeige, Website, Sales Pitch oder Beratungsgespräch — ist also nur dann wirksam, wenn sie ein emotional relevantes Bedürfnis adressiert. Dazu gehören etwa Sicherheit und Kontrolle, Zugehörigkeit, Status, Neugier oder Harmonie.

Die Herausforderung: Diese Bedürfnisse unterscheiden sich von Mensch zu Mensch – und können sich je nach Lebensphase, persönlicher Situation oder gar innerhalb der Customer Journey verändern. Hier kommen datenbasierte Personas ins Spiel.

Datenbasierte Personas liefern emotionale Fokuspunkte

Für Marketing- und Vertriebsmaßnahmen, die personalisiert und gezielt Emotionen aktivieren, braucht es mehr als Kundenumfragen und Zielgruppensegmente. Es braucht datenbasierte Personas, die emotionale Anhaltspunkte liefern. Sie zeigen wie Menschen im Allgemeinen und in bestimmten Situationen, fühlen, denken und handeln.

Datenbasierte Personas, die auf dem Big-Five-Modell basieren, liefern Einblicke in die tiefenpsychologische Persönlichkeitsstruktur eines Menschen. Die fünf Persönlichkeitsdimensionen – Offenheit, Gewissenhaftigkeit, Extraversion, Verträglichkeit und Neurotizismus – helfen zu verstehen, wie Menschen sich auf emotionaler Ebene für oder gegen einen Kauf entscheiden. Jedes der genannten Persönlichkeitsmerkmale weist drei wichtige Eigenschaften auf: Beständigkeit in verschiedenen Situationen, Stabilität über Zeit und Alter sowie individuelle Unterschiede zwischen den Menschen. Das Big-Five-Modell gibt demnach auch Aufschluss darüber, wie Menschen in unterschiedlichen Situationen fühlen und handeln. In jeder/m von uns sind diese Merkmale unterschiedlich stark ausgeprägt, wobei besonders dominante Merkmale unseren Charakter bestimmen. In der Praxis bedeutet das:

  • Personen mit hoher Offenheit sind neugierig, kreativ und Neuem gegenüber positiv eingestellt. Im Vertrieb sprechen sie besonders auf inspirierende Demo-Sessions und Gespräche an, die Möglichkeiten, Freiheit und kreative Nutzungspotenziale betonen.
  • Gewissenhafte Personas legen Wert auf Struktur, Details, Sicherheit und Verlässlichkeit. Im Marketing und Vertrieb überzeugen sie klare Strukturen, transparente Informationen, detaillierte Daten und Argumente, die Risiken entkräften.
  • Extravertierte Menschen sind kontaktfreudig, energiegeladen und häufig statusorientiert. Sie sprechen stark auf dynamische Präsentationen, persönliche Interaktion und sichtbaren Social Proof an. Im Vertrieb erleben diese Charaktere persönliche Gespräche und eine proaktive Kommunikation als positiv. Menschen mit hoher Extraversion lieben Storytelling, Beispiele aus dem echten Leben und sichtbare Begeisterung des Sales-Teams.
  • Verträgliche Personas gelten als harmoniebedürftig, empathisch, kooperativ und in hohem Maße wertorientiert. Sie bevorzugen warme, empathische Kommunikation und menschliche Erfolgsgeschichten. Im Vertrieb wirken ehrliche und vertrauensvolle Gespräche sowie das Gefühl, dass die Marke „echt“ und „nahbar“ ist. Diese Persona reagiert sensibel auf unpersönliche und aufdringliche Vertriebstechniken. Auch bricht sie Gespräche schneller ab, wenn sie keinen zwischenmenschlichen Fit spürt.
  • Personen mit hoher Neurotizismus-Ausprägung suchen Stabilität. Sie reagieren sensibel auf Risiken und neigen zu Stress, wenn sie das Gefühl haben Kontrolle abzugeben. Sicherheit, Garantien, klare Risikoabsicherung und beruhigende, stabilisierende Kommunikation wirken dagegen positiv.

Emotionen entlang der Customer Journey steuern

Eine datenbasierte Persona übersetzt diese psychologischen Strukturen in konkrete Handlungslogiken entlang der Customer Journey. Letztere besteht aus einer Vielzahl emotional aufgeladener Momente. Diese sind jeweils von spezifischen Erwartungen, Unsicherheiten oder Wunschzuständen geprägt. Anstatt sich in diesen Momenten zu fragen, ob ein Angebot das Richtige ist, erleben Menschen ein Gefühl. Damit Marketing und Vertrieb in diesen Momenten wirken, benötigen sie die richtigen emotionalen Trigger. Datenbasierte Personas dienen Marketing- und Vertriebsverantwortlichen dann als Orientierung. Sie geben Aufschluss über relevante Touchpoints und zeigen, welche Emotionen in den jeweiligen Phasen der Customer Journey von Bedeutung sind:

  • Im ersten Kontakt mit dem Produkt oder der Marke zeigen Personas, welche Art von emotionaler Ansprache Aufmerksamkeit überhaupt erst erzeugt.
  • Geht es um die Abwägung helfen Personas, Unsicherheiten aufzudecken und geben Aufschluss darüber, welche Tonalität Vertrauen schafft.
  • Während des unmittelbaren Kaufprozesses liefert die Persona Hinweise auf emotionale Barrieren, die Menschen an der finalen Kaufentscheidung hindern: Etwa die Angst vor Fehlentscheidungen, das Bedürfnis nach mehr Kontrolle oder der Wunsch nach persönlicher Beratung.
  • In der Bindungsphase machen Personas sichtbar, wie Marken ein konsistentes Erlebnis schaffen, das zu Wiederkauf, Loyalität und Weiterempfehlung führt.

Emotionen lassen sich nur dann aktivieren, wenn wir sie verstehen und gezielt übersetzen. Unternehmen, die psychologisch fundierte Personas nutzen, sind in der Lage, ihre Kommunikation, Sales-Argumentation, Touchpoints sowie ihren Kundenservice an emotionalen Erwartungsmustern auszurichten.

Das Ergebnis: Eine Kommunikation, die Bedürfnisse von Menschen an den richtigen Stellen adressiert. Emotionen wirken dabei wie ein Verstärker: Sie erhöhen Markenpräferenz, steigern Preisakzeptanz und stärken langfristige Bindung.

Die Kombination aus psychologischem Wissen, datenbasierten Personas und dem präzisen Einsatz emotionaler Reize während relevanter Touchpoints entlang der Customer Journey bildet die Grundlage für emotional intelligentes Marketing und einen wirksamen, kundenzentrierten Vertrieb.

Das Persona Institut unterstützt Unternehmen dabei, genau diese Verbindung herzustellen und Zielgruppen nicht nur zu segmentieren, sondern im Detail zu verstehen. Denn dort, wo Emotionen und Daten zusammenfinden, entsteht bessere Kommunikation – und echte Wirkung.

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